Unterwegs im Seekajak – der Wolfgangsee von seiner schönsten Seite
| Autor Elisabeth Wimmer | 70 Views
Jedes Jahr wird vom Time Magazin die „Person Of The Year“ vorgestellt.
Ich hingegen küre regelmäßig mein „Was-ich-schon-lange-einmal-machen-wollte
der Woche“. Einmal in sieben Tagen entreiße ich etwas Liegengebliebenes dem Archiv
des Ungeschehenen ‑ im Lauf eines Jahres immerhin 52 Elemente beinahe ungelebten
Lebens.
Gelegentlich schwindelt sich in die unauffällige Reihe
zwischen „Bücher-Entstauben“ und „An-Bernhard-einen-papierenen-Brief-Schreiben“
etwas wie „Kajak-Paddeln-Versuchen“. Die vorbereitenden Recherchen dafür waren
zwar etwas aufwendiger als für’s Abstauben, doch die Visionen deutlich
naturromantischer und kraftspendender, wenn auch mit respektvollem Zögern
durchsetzt.
Vorweg: Respekt ist angebracht, die Vorfreude auf das
Naturerlebnis ist es auch!
Ich habe mit St. Wolfgang tatsächlich einen Ort aufgespürt,
der mit Öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, eine passende
Unterkunftsmöglichkeit für mich und mein Zelt sowie die nötige Menge Wasser in
sympathischer See-Form bereithält. Und der in der Nähe der Experten vom
Seekajakcenter liegt. Sie bieten ‑ auch mit individueller Terminplanung ‑ kurze
Schnupperkurse oder mehrtägige Einsteigerkurse an. Auch geführte Touren haben
sie im Programm, je nach Wunsch und Paddelerfahrung in unterschiedlicher Länge im
heimischen Salzkammergut oder in anderen reizvollen Gegenden wie etwa der Kvarner
Bucht oder der Küste Süddalmatiens oder Sardiniens.
Zuerst: Das Kajak vom Autodachträger heben und zum Wasser
tragen. Dann: Christian zeigt mir am Strand, wie ich das Paddel halten muss,
ich übe trockene Paddelschläge. Die erste Hürde: einsteigen. (Nein, ein Kajak
hält nicht still, wenn es erst einmal im knietiefen Wasser liegt.) Im Sitzen
empfinde ich das Wackelgefühl nicht allzu störend, ich versuche zu paddeln und:
Das Boot bewegt sich. (Und dass es sich in die von mir gewünschte Richtung
bewegt, das werde ich wohl auch noch hinkriegen.) „Wir steuern die Spitze der
Halbinsel an.“ Klare Anweisung. (Für mich viele Meter Kurshaltenüben in spontaner Slalom-Linie.)
Dann zeigt mir Christian, wie nützlich ein Bogenschlag für die Kurskorrektur sein
kann. (Meine Versuche an der anderen von ihm beschriebenen Paddeltechnik bringen
– ehrlich – auch nur ganz, ganz wenig Wasser in mein Boot.) Das alles geschieht
in wundervoller Umgebung.
„Genauso schön hab‘ ich es mir vorgestellt.“ Kein
Wunder, dass Christian und Angelika vom Seekajakcenter das oft von ihren
Kajakschülern hören. Die Abendsonne über dem See, Schilf am Ufer, dahinter die
Berge. Und das Wichtigste: eine unaufgeregte umsichtige Anleitung, die
Vertrauen vermittelt. Sogar bei den ersten Kenterübungen.
Für alle, die bei „Was ich schon lange einmal versuchen
wollte“ an naturnahe Bewegung auf ruhigem Gewässer denken (und es mögen, dabei
ihre Muskeln zu spüren), ist das eine attraktive Möglichkeit. Die Laufmeter
Bücher warten sicher geduldig auf das Regenwetter in der nächsten Woche.



