Unsere schöne Heimat – Hohe Gjaidstein Wanderung
| Autor kurt | 49 Views
Mein Bergkamerad Wolfi, mit dem ich die Drachenwand-Eibensee-Almkogelrunde (siehe eigenen Wanderbericht) gewandert war, leckte Blut und wollte unbedingt eine größere Bergtour mit mir machen. Ich unterbreitete ihm einige Vorschläge und es blieb dann bei der Wanderung auf den hohen Gjaidstein 2794m im Dachsteingebiet (Bild 1). Meiner Pflicht als Wanderführer kam ich nach und klärte ihn über mögliche Hindernisse auf, die auf uns zukommen könnten. Doch Wolfi ließ sich nicht abhalten und er blieb dabei: da will er rauf.
Am nächsten Tag trafen wir uns um 8 Uhr. Das war für mich normal keine Zeit, um so einen hohen Berg zu besteigen. Aber hier machte ich eine Ausnahme, weil wir den ersten Teil unserer Bergtour mit der Seilbahn zurücklegen wollten.
Wir fuhren von unserem Heimatort Bad Ischl über Bad Goisern und Hallstatt nach Obertraun und von dort zur Talstation der renovierten Krippensteinbahn und fuhren alle drei Teilstrecken bis knapp zur Gjaidalm auf 1788 m Seehöhe. Ein wunderschöner, heißer Sommertag versprach eine herrliche Wanderung.
Als wir die letzte Seilbahnstation verließen staunten wir nicht schlecht, wie unprofessionell die Wegbeschreibung war. Meiner jahrzehntelangen Bergsteigererfahrung und meinem guten Orientierungssinn verdankte ich es, dass ich mich trotzdem schnell zurechtfand.
Wir gingen zuerst rechts ein kurzes Stück bergab in Richtung Gjaidalm, dann aber nahmen wir gleich den Weg zur Oberfeldkaserne, die nicht zu übersehen war. Dort fanden wir den ersten Wegweiser (kaum leserlich – nur zu erahnen), der darauf hinwies, dass dieser Weg zu unserem Ziel, den hohen Gjaidstein führt. Von dort nahmen wir den Weg in Richtung Simonyhütte, der zwar gut markiert aber nicht beschrieben war. Als ich mir nicht mehr so sicher war, auf dem richtigen Weg zu sein, kam die Erlösung, endlich eine Wegkreuzung mit einem gut leserlichen Wegweiser, der den Weg zu unserem Ziel wies. Die Erleichterung war groß. Wir waren uns aber einig, dass die Seilbahngesellschaft einige Euro in die Beschilderung der Wanderwege investieren sollte, da sie ja von den Wanderern nicht wenig verdienen.
Den Wanderspaß ließen wir uns aber nicht verderben und so stiegen wir immer steiler das Karstgebiet hinauf. Eine wunderschöne Alpenflora (Bilder 2 a-h) begleitete uns den ganzen Weg entlang. Den niederen (1979 m) und den hohen Rumpler ließen wir links liegen. Der Steig in Richtung Taubenkogel war ziemlich steil und felsig. Dann waren wir bereits auf ca. 2300 m und es tat sich der erste nahe Blick zum König Dachstein und dem Hallstättergletscher (Bild 3) auf. Unterhalb der idyllisch gelegene Eissee (Bild 4), der das Gletscherwasser sammelt. Die außergewöhnliche Flora um diese Zeit ließ meine Kamera nicht länger in der Tasche und so schoss ich ein Bild nach dem anderen.
Der nächste steile Anstieg wartete schon auf uns und zwar das Steilstück hinauf zum vorderen und niederen Gjaidstein. Beim Aufstieg kamen wir auch an der Stelle vorbei, wo wir noch die Reste des Biwakes (Bild 5) vom „Taubenkogelnarren“ Oskar Horky sahen. Dieser Mann hatte viele Jahre seines Lebens dort unter unvorstellbaren Bedingungen verbracht. Eine kleine Tafel erinnert noch immer an diesen einmaligen Menschen, der 1981 mit 81 Jahren verstarb (Bild 6). Eine kurze Gedenkpause und schon ging es wieder weiter, steil bergauf. Nach einem kurzen etwas flacheren Stück bündelten wir nochmals unsere gesamten Kräfte bei dem letzten Steilstück zum Gipfel. Noch eine steile Linkskurve und da stand das Kreuz des Hohen Gjaidstein auf 2794 m Seehöhe (Bild 7). Unser gemeinsames Ziel hatten wir in etwa vier Stunden Gehzeit erreicht. Es ist immer wieder ein unbeschreibliches Glücksgefühl, mit eigener Muskelkraft den Gipfel erreicht zu haben.
Wir freuten uns schon auf unser erstes Essen an diesem Tag. Aber vorher mussten wir diesen einmaligen Rundblick genießen. Hier stehen zu dürfen und den Blick schweifen zu lassen zur Simonyhütte, zum Hohen Kreuz, zum niederen und hohen Dachstein (Bild 8), zu den Dirndln, zum Hunerkogel mit der Bergstation auf der Spitze zum Koppenkarstein bis hinein in die hohen Tauern oder zum Toten Gebirge mit dem hohen Priel, zum Höllengebirge und, und, und… war ein echtes Geschenk des Himmels.
Wir bedauerten die Menschen im Tal und genossen hier diese wohltuende Stimmung. Bei unserer Jause waren wir nicht lange alleine, denn die „Fliegenden Bettler“, die Bergdohlen (Bild 9), waren schnell zur Stelle und schauten uns nicht nur beim Essen zu, sondern wollten auch selbst etwas von unserer Jause haben. Also ließen wir sie daran teilnehmen.
Als ich eine verlorene Schuhsohle fand, konnte ich nicht umhin, meinen Wanderfreund zu schrecken. Ich stieg auf diese kaputte Schuhsohle und sagte, dass ich diese verloren hätte. Der Schreck stand ihm ins Gesicht geschrieben bis ich das Rätsel löste. Es war nicht meine Schuhsohle (10). Nach einiger Zeit mussten wir darüber lachen.
Nach ca. 20 Minuten Rast mussten wir langsam wieder an den Abstieg denken und so machten wir uns fertig zum Rückmarsch, um die letzte Talfahrt mit der Seilbahn 17:20 zu erreichen, diese Zeit erfragten wir bei der Auffahrt zum Krippenstein.
Ein kurzer Eintrag in das Gipfelbuch und dann ging es bergab. Zuerst etwas übermütig, aber nicht lange, denn nach dem ersten Stolperstein wussten wir, dass wir die volle Konzentration benötigten um uns nicht durch einen Sturz zu verletzten.
Da alle anderen Wege zurück viel zu lange gewesen wären, mussten wir denselben Weg wieder zurückgehen. Dabei genossen wir immer wieder die wunderschöne Alpenflora und seltene Gesteinsformationen.
MEIN RAT: Um die vielen Pflanzen und Kräuter am Wegesrand, Wiesen und Wald kennen zu lernen, empfehle ich, an den Kräuterführungen von Katarina, der Ischler Kräuterfee – 65-Jährige Erfahrung – teilzunehmen. Da werden, leicht verständlich, die heilkräftigen aber auch die giftigen Kräuter erklärt.
Als wir ab und zu zurückblickten, sahen wir, dass sich eine dunkle Gewitterstimmung mit einfallendem Nebel bildete (11). Müde aber sehr glücklich über diesen wunderschönen Tag erreichten wir um 17:10 die Seilbahnstation. Wir stiegen in die Seilbahngondel ein und schon ging es los in Richtung Tal. Ein Blick zurück zeigte uns noch unsere gesamt Wanderstrecke.
Diese unvergessliche und schöne, aber sehr lange Wanderung kann ich allen empfehlen, die sehr fit und trainiert sind. Ca. 7 bis 8 Stunden Gehzeit, teilweise steil bergauf und bergab stehen am Programm. Dafür gibt es wunderschöne Glücksmomente und einmalige Rundblicke zu erleben. Bergschuhe sind unbedingt erforderlich. Bitte beachten Sie, dass Sie sich im Hochgebirge befinden und seien Sie vorsichtig. Beachten Sie besonders das Wetter und den Wegezustand. Hier kann es von einem Moment auf den anderen schneien und dann können Sie den Weg nicht mehr finden.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Bergausflug bei Kaiserwetter.
Infos: 0043/664/4810366
© Bericht und Fotos vom Naturfotografen Kurt Reisenauer Fotos: © Kurt Reisenauer („ReiKu“)

















Robert Moder schrieb am
24. April 2012 um 21:22Es wurden viele Erinnerungen wieder wach beim lesen dieses Berichts. Habe fast ein halbes Jahr da oben verbracht. Den Oskar Horky habe ich noch persönlich gekannt und sogar mit Ihm mal vor seiner Behausung gesessen.
War eine sehr sehr schöne Zeit da droben !!